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Main-Echo 22. Dezember 2007

Bernd Lenk: Dieses mal will ich es wissen

Nominierungsversammlung: Kandidat der Freien Wähler verspricht, den Wörthern ein Vollzeit-Bürgermeister zu sein.

Wörth. Paroli dem Platzhirsch Erwin Dotzel (CSU): Die Freien Wähler schicken als Bewerber fürs Bürgermeisteramt bei der Kommunalwahl im März 2008 erneut Bernd Lenk (55) ins Rennen. Nominiert wurde er einstimmig in familiärer Atmosphäre am Donnerstag im Gasthaus Einkehr. Der Kandidat ist entschlossen: »Diesmal will ich es wissen.«

Lenks Zuversicht kommt nicht von ungefähr. Die Freien Wähler sind nach ihrer Wiedergründung 1996 (sechs Jahre war Pause) aus dem Stand mit fünf Mandatsträgern ins Stadtratsgremium eingerückt; Bernd Lenk ist seitdem dabei. Bei der Wahl 2002 haben die Wörther die Arbeit der Freien mit zwei weiteren Ratssitzen honoriert, Lenk erhielt die meisten Stimmen aller Bewerber und hat als Bürgermeisterkandidat mit 37 Prozent der Stimmen ein gutes Ergebnis erzielt (die SPD-Kandidatin erhielt zehn Prozent). Unangefochten mit 53 Prozent behauptete das CSU-Schwergewicht Erwin Dotzel damals allerdings seinen Platz an der Spitze der Kommune.

Gegenwind wird stärker

Doch der Gegenwind wird stärker. SPD und Grüne haben schon vor Monaten einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten benannt; mit dem Freien Bernd Lenk, seinem Stellvertreter im Amt, erwächst dem Rathaus-Chef (mit dessen erneuter Kandidatur gerechnet wird) ein inzwischen kommunalpolitisch erfahrener Konkurrent, den Fraktionskollege Martin Ferber der Versammlung als Mann von hoher Kompetenz und als »ehrliche Haut« vorstellte.

Lenk ist gebürtiger Sulzbacher und wohnt seit 1982 in Wörth. Er ist selbständiger Zahntechniker, beschäftigt fünf Mitarbeiter und engagiert sich ehrenamtlich in vielen Funktionen im Turnverein sowie bei den Wörther Fastnachtern. Er ist verheiratet, hat vier Kinder und zwei Enkel.

Der Kandidat zu seinen Motiven: Kommunalpolitik mache ihm Freude, wenn es nicht zu Situationen kommt wie bei der Missachtung des Bürgerentscheids gegen den Weinberg am Schneesberg. Da hätte er beinahe das Handtuch geworfen; davon abgehalten habe ihn die Überlegung, dass vielleicht just das von den Andersdenkenden gewollt gewesen wäre. Arbeits-Schwerpunkte als Bürgermeister sähe er unter anderem darin, die Generationen zusammen zu bringen und die Vereine zu unterstützen, denen immer mehr Aufgaben als »Sozialarbeiter« zukämen.

Die städtischen Finanzen ließen sich nur stärken, wenn Gewerbe- und Einkommensteuer-Anteile wachsen. Das erfordere das Ausweisen neuer Gewerbe- und Baugebiete. Für bitter notwendig hält es Lenk, Organisation und Strukturen in Verwaltung und Bauhof zu ändern und das vorhandene gute Personal neu zu motivieren. »Derzeit weiß oft die eine Hand nicht, was die andere tut.« Und manche tut gar nichts: Lenk verwies auf den blamablen Internet-Auftritt der Schifferstadt, in dem aktuell beispielsweise Gaststätten aufgeführt seien, die es längst nicht mehr gebe (Schiff, Bahnhof). Vor allem aber versprach er Präsenz als Vollzeit-Bürgermeister in Anspielung auf Erwin Dotzels Doppelaufgabe als Rathaus-Chef und als 2007 gewählter Bezirkstagspräsident. Lenk: »Ich werde ganz sicher mehr als nur zwei Stunden pro Woche für die Bürger da sein, bei mir gibt es keine Sprechstunden mittwochs von 16 bis 18 Uhr.«

Eher bedächtiger Kandidat

Ein Agitator ist der eher bedächtige Kandidat der Freien nicht, diesen Part übernahmen in der Versammlung die Gäste: Altbürgermeister Otto Berninger nannte diese Sprechstunden Dotzels »fast eine Verhöhnung der Bürger«. Dessen Doppel-Tätigkeit bei ungekürztem Bürgermeister-Gehalt und »hoch dotierter Nebenbeschäftigung« im Bezirk an mindestens zwei Tagen in der Woche werfe juristische und moralische Fragen auf und sei nicht hinzunehmen.

Auch Bürgermeister Alfred Zenger aus dem benachbarten Laudenbach fand, die Wörther seien da »sehr langmütig«. Sie hätten jetzt zwar einen Bezirkstagspräsidenten, aber nur einen halben Bürgermeister, »das ist ein Vertrauensbruch sondersgleichen«. Fair wäre es, würde sich Dotzel zwischen dem einen und dem anderen Amt entscheiden.

Klare Verhältnisse in Wörth ließen sich, so die Versammelten, 2008 mit Bernd Lenk im Rathaus schaffen. »Wörth braucht den Wechsel.« Der Kandidat: »Ich werde um jede Stimme kämpfen. Packen wir`s an!« Barbara Schmidt